Wahres Glück statt Ego-Fallen: So findest du endlich innere Zufriedenheit



Der Satz, der alles auf den Kopf stellt

„In keiner Situation bist du dir bewusst, welches Ergebnis dich glücklich machen würde.»
Ein Kurs in Wundern

Bämm. Ein Satz wie ein Schlag ins Gesicht.

Und sofort hüpft mein Ego auf und ruft: „So ein Blödsinn. Natürlich weiss ich, was mich glücklich machen würde!“

Kennst du das? Da kommt so eine spirituelle Weisheit daher, und dein Ego steht mit verschränkten Armen da, rollt die Augen und denkt: „Danke für nichts, ich hab meine Liste fürs Glück schon fertig.“

Wenn das Ego in Fahrt kommt

Manchmal lasse ich mein Ego frei laufen, einfach so zum Spass. Ich sage: „Na gut, Ego – dann erzähl mal, was mich glücklich machen würde.“ Und dann legt es los, ohne Punkt und Komma. Es hört sich ungefähr so an:

  • Ruhige Nachbarn (am besten gar keine) und eine Villa mit Pool und Personal.
  • Viel mehr Geld – also auch bitte gleich ein anderer Job.
  • Ferien nonstop, Sonne auf Knopfdruck, null Kilos zu viel und bitte keine Haie im Meer.
  • Ein Partner, der mich permanent glücklich macht.
  • Und eine Katze, die nur kuschelt, nie kratzt und keine Haare verliert.

Nach fünf Minuten frage ich mich: Holt das Ego eigentlich jemals Luft? Es steigert sich so sehr rein, dass es sich fast selbst verschluckt.

Und das Faszinierende daran: Egal, wie viele Punkte es abhakt, sofort wächst die Liste weiter. Ein endloses „Mehr, mehr, mehr“.

Glück auf Raten – warum der Kick nie hält

Erinner dich mal: Wie oft hast du dir etwas gekauft, das dich kurz glücklich gemacht hat? Neues Handy, Auto, Sofa, oder diese überteuerten Schuhe, die du unbedingt brauchtest. Und dann?

Nach einer Weile verpuffte das Gefühl. Du brauchtest das nächste Ding. Oder den nächsten Urlaub. Oder die nächste Bestätigung von aussen.

Das Ego füttern ist wie Zucker essen: ein schneller Energieschub, gefolgt vom Absturz. Kurzfristige Freude, langfristige Leere. Von den überflüssigen Kilos auf den Hüften reden wir gar nicht.

Eine Arbeitsgruppe im Morast

Ich hatte Mal ein Erlebnis, das für mich alles veränderte.

Ich war Teil einer Arbeitsgruppe in einer Organisation für Mentaltraining. Unsere Aufgabe: Projektideen entwickeln, damit mehr Menschen Zugang zu dieser Arbeit bekommen. Klingt spannend, oder? In der Realität war es eher wie durch Morast waten:

  • Mails blieben unbeantwortet.
  • Zwei von fünf Mitgliedern machten überhaupt mit.
  • Es kamen keine Ideen.
  • Aufgaben wurden einfach ignoriert.

Ich sass da, fühlte mich wie in einer lahmen Schulgruppe, in der zwei Leute schuften und der Rest schläft. Mein innerer Dialog war entsprechend liebevoll:

„Mit denen kann man nicht arbeiten!“
„So wird das nie was!“
„Wieso habe ich mich da reinziehen lassen, verdammt nochmal?“

Ich war entmutigt, frustriert und kurz davor, alles hinzuschmeissen.

Der Rat meines Mentors

Zum Glück erinnerte ich mich an die Worte eines Mentors:
„Triff nie eine Entscheidung, bevor du innerlich nicht im Frieden bist.“

Das nervte mich, weil ich eigentlich längst gehen wollte. Aber gut, ich machte also einen Prozess mit meinen miesen Gefühlen. Ich hörte auf, mit dem Finger auf die anderen zu zeigen, und stellte mir die unbequeme Frage: Was, wenn nicht sie das Problem sind – sondern ich die Antwort einfach nicht sehe?

Und dann passierte etwas. Ich sah plötzlich glasklar, dass ich die Lösung längst vor Augen hatte – sie aber vom Ego hatte zerreden lassen.

Der blinde Fleck

Da war nämlich diese Idee in der Arbeitsgruppe, den online-Kurs auf Deutsch zu übersetzen. Das zentrale Buch der Organisation war nur auf Englisch verfügbar, und seit Jahren lag die Idee brach. Es waren rechtliche Dinge mit der internationalen Organisation zu klären, niemand hatte die Zeit dafür. Andere hatten nicht die fachlichen Voraussetzungen, um bei der Übersetzung die Bedeutung der Inhalte zu bewahren.

Und plötzlich fiel mir auf: Ich war die perfekte Person dafür. Ich konnte übersetzen, ich hatte die fachliche Erfahrung, die Sprachkenntnisse, das technische Wissen für die Online-Plattform. Ich hatte sogar die Zeit. Aber mein Ego hatte das sofort abgewürgt: „Das kannst du nicht. Sei nicht überheblich! Zu viel Arbeit! Das wird niemand bezahlen! Nicht dein Ding!“

In Wahrheit war es genau mein Ding. Und der Witz: es machte mir sogar Freude, sobald ich mir erlaubte, es zu sehen.

Die Bedingungen, die es brauchte

Natürlich, ein paar Bedingungen stellte ich auf:

  • Ich wollte alleine arbeiten.
  • Ich wollte freie Hand.
  • Ich wollte dafür fair bezahlt werden.

Und siehe da: alles liess sich klären. Ich begann mit der Übersetzung – und plötzlich floss es. Was vorher mühsam und frustrierend war, wurde leicht. Ich hatte Spass. Ich ging abends zufrieden ins Bett. Und am Ende stand ein Ergebnis, das vielen Menschen half: eine deutsche Version dieses Buches, die endlich allen zugänglich war, die nicht genug Englisch konnten.

Der Aha-Moment

Die Erkenntnis war glasklar: Glück entsteht nicht, wenn sich die Umstände ändern. Glück entsteht, wenn ich den Schalter in mir selbst umlege.

Ich war nicht glücklich, trotz der anderen. Ich war glücklich, weil ich mich entschieden hatte, meinen Teil zu sehen und zu handeln. Sie waren nur mein Spiegel. Alles was ich ihnen innerlich vorgeworfen hatte, war für meine Ohren bestimmt. Es ging nur eine Weile, bis ich das kapierte.

Warum das Ego nie satt wird

Das Ego denkt immer in „Wenn – dann“-Ketten.

  • Wenn ich 10 Kilo leichter bin, dann bin ich glücklich.
  • Wenn ich am Meer wohne, dann bin ich glücklich.
  • Wenn mein Chef netter ist, dann bin ich glücklich.

Und wenn eins erfüllt ist, sucht es sofort das nächste „Wenn“. Es ist wie ein Hamsterrad mit goldenen Karotten vor der Nase.

Der einzige Weg raus ist zu begreifen: Glück ist kein Ergebnis. Glück ist eine Wahl.

Mini-Praxisübungen für dich

  1. Die Ego-Liste entlarven
    Schreib 5 Minuten lang alles auf, was dein Ego behauptet, was dich glücklich machen würde. Keine Zensur. Lies es dir danach durch und vielleicht musst du sogar drüber lachen. Frag dich: Stimmt das wirklich?
  2. Der Glücks-Kick im Rückblick
    Denk an etwas, das dich kurzfristig glücklich machte – eine Anschaffung, ein Erlebnis. Wie lange hielt der Effekt? Und was kam danach? Diese Beobachtung allein zeigt, wie flüchtig äussere Quellen sind. Und sobald wir etwas haben, kommt die Angst es zu verlieren.
  3. Der Stopp im Alltag
    Beim nächsten Ärger – im Stau, mit Kollegen, mit den Kindern – halte kurz inne und frag dich: Bin ich gerade sicher, dass ich weiss, was mich glücklich machen würde? Öffne dich für die Möglichkeit, dass es vielleicht ganz anders aussieht, als dein Ego meint.

Fazit: Glück ist eine Wahl

Das Ego wird niemals aufhören, Wunschlisten zu schreiben. Es ist halt seine Art. Aber du hast immer die Wahl, ob du auf diesen Zirkus einsteigst – oder ob du den inneren Schalter umlegst.

Glück bedeutet nicht, dass die Umstände perfekt sind. Glück bedeutet, dass du im Frieden bist – mitten im Chaos, im Morast, sogar in der Arbeitsgruppe, die einfach nicht aus den Puschen kommt.

Und das Beste: Sobald du diesen Schalter umlegst, öffnet sich Raum. Raum für Kreativität, für Klarheit, für Handlungen, die tatsächlich einen Unterschied machen.

Das Ego mag brüllen. Aber du kannst jederzeit tief in dir eine Ruhe finden, die nur darauf wartet, dass du ihr den Vortritt gibst. In dieser inneren Stille warten die Antworten.

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