„Ich weiss ja, wie es geht“ – und fünf Sekunden später wieder genervt

Du hast längst verstanden, wie es geht. Dein Alltag hat nur noch nichts davon mitbekommen.

 

Ich sag’s dir, wie es ist:

Du kannst 27 Podcasts hören.
3 Lebenshilfe-Bücher gleichzeitig lesen.
Und dir beim Zähneputzen noch schnell ein paar positive Affirmationen vorbeten.

Und trotzdem… reagierst du am Nachmittag wieder genau gleich wie gestern. Genervt. Ungeduldig. Im Autopiloten-Modus.

Nicht, weil du es nicht besser weisst. Sondern weil Wissen halt… nett ist. Aber meist nicht reicht.

 

Wissen fühlt sich oft an wie Fortschritt

Zu verstehen, warum du reagierst, wie du reagierst.
Zu erkennen, was in dir abläuft.
Zusammenhänge zu sehen.

Das alles kann unglaublich wertvoll sein.

 

Dein Kopf ist nicht das Problem (wirklich nicht)

Dein Verstand ist gut unterwegs. Der versteht schnell. Der kombiniert. Der erkennt Muster.

Der weiss auch ganz genau:
„Ich sollte jetzt ruhig bleiben.“
„Ich könnte das auch anders sehen.“
„Eigentlich ist das gar nicht so schlimm.“

Und dann? Dann kommt das echte Leben dazwischen – und zack – wieder die alte Reaktion.

 

Beispiel aus dem echten Leben

Du nimmst dir vor, heute gelassener zu sein. Wirklich. Dieses Mal klappt’s.

Und dann…sagt jemand etwas völlig Banales. Ein Blick. Ein Tonfall. Irgendwas.

Und innerlich geht’s los:

„Echt jetzt?!“
„Warum immer ich?“
„Das geht mir total auf die Nerven!“

Und während du dich aufregst, rät im Hintergrund dein innerer Coach:

„Bleib ruhig.“
„Du weisst doch, wie das geht.“
„Atme einfach tief durch.“

Resultat? Hilft meistens so mittel.

 

Warum?

Weil in dem Moment nicht dein «bewusstes Selbst» am Steuer sitzt, sondern dein gelerntes Programm. Der Teil, der über viele Jahrzehnte trainiert wurde:

bewerten, reagieren, sich schützen, recht haben wollen, sich vergleichen…

Und das geht schnell. Richtig schnell. Und eben viel schneller als dein «Kopf».

 

Der Moment, der wirklich etwas verändert

ist nicht der, in dem du etwas verstehst. Sondern der, in dem du nicht sofort reagierst.

Ein kurzer Moment von: „Ah… interessant.“

Nicht analysieren.
Nicht bewerten.
Einfach wahrnehmen.

Das ist der Moment, auf den es ankommt. Dort entscheidest du, wie du reagierst.

 

Und ja – dafür muss es vielleicht erst kurz still werden

Ich weiss. „Still werden“ klingt schnell nach Yogamatte und Räucherstäbchen (was natürlich sehr wohl helfen kann, in die Stille zu kommen 😊).

Es kann aber auch schlicht heissen: Dein gewohntes Gedanken-Gewusel mal kurz auf Pause setzen. Dieses ständige bewerten, kommentieren, einordnen, vergleichen.

Nicht, weil es schlecht ist, sondern weil es gerade einfach… nicht dran ist.

 

Konkret, kurz & knackig

Zwei Minuten. Mehr nicht.

Du sitzt irgendwo. Am Küchentisch. Im Auto. Auf dem Sofa.

Und dann: Machst du nichts! Also wirklich nichts.

Kein Handy.
Kein „ich beobachte jetzt besonders achtsam meinen Atem“ in Hochleistungsversion.
Kein inneres „so, jetzt muss ich mich aber entspannen“.

Sondern eher ein gelassenes: „Ich bin jetzt einfach mal hier.“

Gedanken kommen? Klar. Die wollen ihren Senf dazugeben.

Und genau da beginnt der spannende Teil:

Du steigst nicht darauf ein. Du lässt sie ziehen.
Schliesslich musst du nicht alles glauben, was du denkst.
Du brauchst auch nichts damit zu tun.

Und so wandern die Gedanken einfach vorbei, wie Wolken am Himmel.

 

Was du dabei eigentlich trainierst

Du lernst, deinen Geist zu lenken.
Statt dich von ihm lenken zu lassen.

Du gibst dem alten Gedankenmuster nicht automatisch das Mikrofon.

Und – ganz wichtig – du gehst nicht schon mit einer fertigen Idee rein:

  • wie es sich anfühlen soll
  • was jetzt passieren müsste
  • ob du „gut“ bist darin
  • ob es so ist wie beim letzten Mal

Weil genau das dich wieder zurück in den Kopf bringt. Zu dem Teil, der die Erfahrung kontrollieren möchte.

 

Und falls du denkst: „Da passiert ja gar nichts“

Perfekt! Wirklich! 😊

Denn meistens erwarten wir insgeheim:
Ruhe. Klarheit. Ein Gefühl von „Wow, ich hab’s“.

Und wenn das nicht kommt, denken wir: „Bringt nichts.“ oder «Ich mach was falsch.»

Doch genau dieses „nichts“ macht dem Neuen Platz.
Dieses Neue ist nichts, was du kreierst, es ist etwas, das zu dir findet.

 

Fazit (ganz unfeierlich)

Ich würde jetzt Mal behaupten: Du brauchst nicht noch mehr Wissen. 😊

Du brauchst mehr Momente, in denen dein ganzes „Ich weiss ja schon“-System mal kurz Pause hat. Nicht für immer.

Nur lang genug, dass etwas anderes überhaupt eine Chance bekommt.

Und ja – das ist simpel.

Aber eben nicht immer einfach.

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