„Freu dich bloss nicht zu früh.“

Wie wir alte Schutzprogramme wiederholen – selbst dann, wenn wir es längst besser wissen.

Vielleicht kennst du das:

Du nimmst dir vor, ruhig zu bleiben. Klar zu kommunizieren. Endlich anders zu reagieren.

Und dann passiert etwas Kleines – ein Satz, ein Blick, eine Situation – und plötzlich reagierst du doch wieder genau gleich wie früher.

Danach kommt oft sofort der nächste Gedanke:

„Warum kriege ich das einfach nicht hin?“
„Ich weiss es doch eigentlich besser.“
„Wieso falle ich immer wieder zurück?“

Lange habe ich geglaubt, das sei mangelnde Disziplin.

Heute sehe ich das anders.

Du bist nicht undiszipliniert.
Du bist ungünstig programmiert.

 

Du reagierst nicht so, weil du schwach bist – sondern weil dein System es so gelernt hat

Irgendwann habe ich begonnen zu verstehen, dass ich nicht nur „Gedanken habe“, sondern dass in mir ein ganzes inneres System wirkt.

Mein Nervensystem ist dabei so etwas wie mein inneres Sicherheits- und Reaktionssystem. Es entscheidet in Sekundenbruchteilen, ob ich mich sicher, offen und verbunden fühle – oder ob ich in Anspannung, Rückzug oder Kontrolle gehe.

Und das passiert schneller, als mein bewusster Verstand denken kann.

 

Wie Gedanken Spuren im Gehirn hinterlassen

Ich habe gelernt, dass jeder Gedanke, den ich denke – besonders wenn er mit Gefühl verbunden ist – im Gehirn Spuren hinterlässt.

Diese Spuren sind Verbindungen zwischen Nervenzellen.

Und je öfter ich etwas denke oder emotional erlebe, desto stärker werden diese Verbindungen.

So entstehen innere „Wege“, die mein Gehirn bevorzugt nutzt.

Das bedeutet:
Mein Denken ist nicht zufällig.
Es folgt sehr alten, oft unbewussten Bahnen. Und basiert auf meinen Überzeugungen.

 

Wie sich so eine Programmierung anfühlen kann

Eine meiner tiefsten inneren Programmierungen lautete lange:

Freu dich bloss nicht zu früh.“

Ich erinnere mich gut an eine Zeit, in der nach jeder spontanen Freude sofort diese innere Stimme auftauchte.

Kaum kam Leichtigkeit oder Vorfreude hoch, kam direkt hinterher:
„Freu dich bloss nicht zu früh.“

Und ich zog innerlich sofort die Handbremse.

Erschrocken.
Verlegen.
Schuldbewusst.

Statt Freude kam plötzlich Anspannung.

Ich begann innerlich sofort auszurechnen, was wohl noch schiefgehen könnte. Wie lange etwas wohl „gut gehen“ würde, bevor wieder irgendein Hammer vom Leben kommt, um mich niederzuschmettern.

Also lieber gar nicht erst freuen.

Wird ja eh nicht lange dauern.

Heute sehe ich, was damals passiert ist:
Ich habe Freude und Leichtigkeit innerlich in eine Kiste gepackt, sie tief im Keller verstaut und den Deckel zugenagelt.

Für später.
Für irgendwann.
Oder vielleicht für ein nächstes Leben mit besseren Karten.

Und das Verrückte ist:
Irgendwann hielt ich das einfach für die Wahrheit.

Dabei war es ursprünglich nur eine Idee. Ein Satz. Eine Überzeugung, die ich irgendwann von Erwachsenen übernommen hatte.

Und mein System hat daraus ein Programm gemacht.

Ich erinnere mich noch, dass ich als kleines Mädchen manchmal dachte:

„Dieses Leben ist ganz schön doof und macht keinen Spass.
Irgendwie ist das komisch, verkehrt. So habe ich mir das nicht vorgestellt.“

Wenn ich heute darauf zurückblicke, berührt mich das sehr.

Und gleichzeitig erkenne ich:
Genau so entstehen viele unserer inneren Muster.

 

Warum wir automatisch reagieren

Wenn wir heute in Situationen kommen, die unserem System vertraut sind, passiert etwas sehr Schnelles:

Das innere System erkennt nicht die Gegenwart – sondern ordnet alle Situationen ein auf der Basis von vergangenen Erfahrungen. Dies wirkt wie ein Filter, durch den wir alles erfahren.

Und es aktiviert sofort die alten, vertrauten Reaktionsmuster.

Noch bevor wir bewusst entscheiden können, sind wir bereits in einem Gefühl, einer Haltung oder einer Reaktion.

Und manchmal ist zwischen:
„Heute bleibe ich ganz ruhig.“
und
„Warum habe ich DAS jetzt gesagt?!“
erstaunlich wenig Zeit.

Ich kenne das selbst gut.

Es gab Situationen, in denen ich innerlich völlig überzeugt war:
„Diesmal reagiere ich anders.“

Und gefühlt drei Sekunden später habe ich mich selbst innerlich links überholt.

Der Satz war schon draussen, bevor mein bewusster Verstand überhaupt hinterherkam.

Autsch.

Heute kann ich darüber manchmal sogar lachen. Nicht abwertend – sondern menschlich.

Denn genau daran erkenne ich:
In solchen Momenten reagiert nicht mein heutiges Wissen.
Sondern ein altes Programm, das mein System irgendwann gelernt hat.

 

Und genau hier berührt sich das mit Ein Kurs in Wundern

Im Ein Kurs in Wundern wird genau dieser Mechanismus auf einer tieferen Ebene beschrieben.

Dort heisst es sinngemäss:
Unsere Wahrnehmung ist nicht neutral, sondern wird durch unser inneres „Denksystem“ gefiltert.

Was ich sehe, fühle und interpretiere, entsteht also nicht einfach „da draussen“, sondern in mir.

Das Ego – wie der Kurs es nennt – arbeitet genau über diese alten inneren Muster:
Es interpretiert die Welt durch vergangene Erfahrungen, Angst und Trennung.

Mein Nervensystem ist auf der körperlichen Ebene genau das, was der Kurs auf der geistigen Ebene beschreibt:
Ein System, das Sicherheit sucht, indem es Bekanntes wiederholt – selbst wenn es mir nicht guttut.

 

Warum Veränderung deshalb nicht über den Verstand passiert

Das war für mich ein entscheidender Wendepunkt.

Ich habe verstanden:
Ich kann ein Konzept noch so gut verstehen – wenn mein inneres System etwas anderes gelernt hat, gewinnt immer das, was tiefer verankert ist.

Ein Kurs in Wundern hilft, unsere innere Wahrnehmung zu verändern. Neue Entscheidungen zu treffen. Überzeugungen gehen zu lassen, die uns nicht nützlich sind und nicht guttun.

 

Was sich dadurch für mich verändert hat

Ich habe begonnen, nicht mehr nur Situationen zu analysieren, sondern meine Gedanken und Gefühle bewusster wahrzunehmen. Gerade, wenn mich etwas triggert. Die innere Reaktion zu beobachten. Und statt mich zu ärgern, nicht mehr gegen mich zu arbeiten, sondern zu erkennen:

„Ah – da ist gerade ein altes Muster aktiv.“ «Hmm, mal sehen, was glaube ich gerade, wenn ich so denke und fühle?»

Und genau in diesem Moment entsteht die Möglichkeit zu hinterfragen. Ist das wirklich wahr? Wer sagt das? Wie komme ich überhaupt auf die Idee, das so zu beurteilen?

Und wie würde es sich anfühlen, wenn es gar nicht wahr wäre? Wenn ich das nicht glauben würde? Wer bin ich ohne diese Überzeugung?

 

Fazit

Veränderung passiert nicht im Verstand.

Sie passiert dort, wo mein inneres System gelernt hat, wie es die Welt interpretiert.

Oder in der Sprache von Ein Kurs in Wundern:

Nicht die Welt muss sich verändern – sondern die Art, wie ich sie wahrnehme.

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